Bücher

 

Sabine Hübner 

"Das Torlose Tor"

Teishō zu den 48 Kōan des Mumonkan

Mit einem Vorwort von Willigis Jäger Kyo-un Rōshi

 360 Seiten, gebunden, Fadenheftung, € 22.80, Fr 38.50 

  


2. Auflage
Werner Kristkeitz Verlag
ISBN  978-3-932337-00-0

          

Beschreibung zur 1. Auflage

Vijâya Fey
Ehrenpräsident des Vereins für buddhistische Schulungswege e.V.
International Council for Buddhist Research

REZENSION  in  »HAN «

Die Zen-Meisterin Sabine Hübner erstaunt die Welt mit ihrem ersten Buch. Es ist im Werner Kristkeitz Verlag  unter dem Titel "Mumonkan: Das Torlose Tor" erschienen. Rechtzeitig vor Weihnachten war es bereits zu erhalten. Es war damit rechtzeitig ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk für gute Freunde geworden.

Dieses Buch gibt tiefste buddhistische Psychologie wieder und zeigt dennoch zugleich sehr direkt auf,  worum es im konkreten Einzelfall geht. 

Die geschilderten historischen Mumonkan-Kōan-Texte, Meister Mumons spritzig-umwerfende Kommentare, dann der jeweilige klassische Vers des alten Meisters und das zum einzelnen Mumonkan-Kōan-Fall gehörige Teishō von Sabine Hübner bilden eine einzigartige Einheit. 

Es ist eine seltsamerweise leicht zu lesende und doch tiefe Lektüre. 

Das macht dieses Buch besonders. Es handelt sich hier um ein Buch, das man in dieser Art unter der Kategorie psychologisch-spiritueller Bücher so schnell nicht wieder findet. Einfühlsam macht Sabine Hübner tiefste klassische Psychologie des historischen Buddha in gleichermaßen ernster wie verspielter Weise deutlich und zum täglichen Gebrauch verwendbar. 

Ich hatte die Gelegenheit, dieses Buch vorweg mehrmals zu lesen, und ich machte dabei die erstaunliche Erfahrung, dass ich es jedes Mal auf neue Weise erfahren konnte, je nach meiner momentanen Befindlichkeit. 

Dieses Buch lebt! Nicht einen Augenblick habe ich es langweilig oder schwerfällig und zähflüssig empfunden, was man bei Kommentaren über uralte Klassiker doch manches Mal erleben kann. 

Dieses "Mumonkan" ist ein Buch für den modernen Menschen, der im Westen unserer Welt aufgewachsen ist und hier entsprechend sozialisiert wurde. 

Einem solchen Menschen wird dieses ernsthafte Buch doch sehr viel Spaß und Freude machen. Es wird eine Bereicherung für seinen Alltag, aber auch Ratgeber in manch schweren Lebenslagen sein.  

Bei diesem Buch handelt es sich um Teishō. 

Was ist ein Teishō? 

Hierbei geht es um eine Art Lehrvortrag, der für gewöhnlich von einem Kōan handelt und der von einem Zen-Meister oder einem beauftragten Zen-Lehrer gegeben wird. Niemand anders sonst darf ein Teishō geben. Die Kōan, paradoxe und mit dem diskursiven Intellekt nicht verstehbare und somit nicht lösbare Rätsel, deren Lösung jeweils in eine spirituelle Vertiefung führt, sind aus dem Leben genommen. Erstaunlicherweise ähneln die alltäglichen Begebenheiten aus der alten chinesischen Zeit den unsrigen modernen doch sehr. So werden uns die alten chinesischen Kōan zu modernen europäischen Begebenheiten. Immer noch fliegt der Vogel, bricht ein Krug entzwei, wird das Feld bestellt, weht der Wind, jemand bricht sich ein Bein, ein anderer ist sehr stark und hat gerade deshalb ein vermeintliches Problem. So helfen die Kōan und auch die darüber gehaltenen Teishō dem Menschen, sein profanes Leben spirituell zu durchweben und zu heiligen. Im Zen gibt es keinen Unterschied zwischen heilig und profan. Das religiöse Leben findet auf der Straße, in der Küche und im Büro statt. Religion wird Alltag und hat mit Konfession nicht das Mindeste zu tun. Und wir arbeiten dabei an uns, bauen unsere Neurosen ab und werden immer glücklicher. Wie erstaunlich! Wie einfach! 

Wie spielt sich ein Teishō ab? Der Rōshi betritt mit seinem Meisterstab das Zendō, in dem die Schüler stehend warten. Nach der Verneigung wird rezitiert:

"Dem Dharma, geheimnisvoll und unvergleichlich tief, 
ist selbst in hunderttausend Weltaltern nur schwerlich zu begegnen.
Jetzt
können wir ihn sehen, hören und annehmen.
 Mögen wir die wahre Bedeutung des Tathāgata erkennen",

wobei das Wort "Jetzt" durch einen kräftigen Schlag auf den Bretterfußboden betont wird. Damit wird gesagt, dass die Wirklichkeit immer nur in diesem jetzigen Augenblick erfahrbar ist und nicht etwa durch schöne oder "wahre" Gedanken und auch nicht in oder vor hunderttausend Weltaltern. So wird der Zen-Schüler aufgefordert, präsent und selbst in tiefer Entspannung wachsam zu sein. Nun folgt das Teishō, die Lehrauslegung für die Zen-Schüler, das nach alter Tradition zugleich als ein Geschenk an den Buddha gilt. Im Nürnberg-Zendō, das sich als außerkonfessionell (wenn auch nicht areligiös) versteht, kommen in den Vorträgen auch die großen Mystiker der ganzen Welt zu ihrem Recht, ebenso alle Dinge des Lebens, auch die ganz kleinen und scheinbar unwichtigen. Der Grundtenor eines guten Teishō besagt, dass nicht die Worte "ES" sagen können, dass nicht die Worte "ES" sind, sondern dass "ES" sich dem Menschen unmittelbar und direkt zeigt, wenn er nur sein Auge und sein Ohr öffnet und "ES"  selber merkt. Jesus soll gesagt haben: "Wer Augen hat zu sehen, der sehe" und: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!" Zu dieser Wachheit des Geistes soll ein Teishō animieren. 

Im Anschluss an das Teishō wird rezitiert: 

"Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht,
sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen.
Augen können sie nicht sehen, 
lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren.
Sie ‚Geist‘ oder ‚Buddha‘ zu nennen, entspricht nicht ihrer Natur. 
Wie das Trugbild einer Blume wäre sie dann.

Nicht Geist noch Buddha ist sie, 
vollkommen ruhig erleuchtet sie in wunderbarer Weise.
Nur dem klaren Auge ist sie wahrnehmbar. 
Der Dharma ist sie und wirklich jenseits von Form und Klang. 
Das Dao ist sie, und Worte haben nichts mit ihr zu tun. 
In der Absicht, Blinde anzuziehen, 
ließ Buddha seinem goldenen Munde spielerische Worte entspringen.
Seitdem sind Himmel und Erde überwuchert mit dichtem Dornengebüsch.
O, meine lieben und ehrwürdigen Freunde, die ihr hier versammelt seid:
Wenn ihr euch danach sehnt, die donnernde Stimme des Dharma zu hören,
gebt eure Worte auf, entleert eure Gedanken,
dann kommt ihr so weit, das EINE SEIN zu erkennen".

(Zen-Meister Daiō Kokushi)

 

Beim "Dornengebüsch" geht es um diskursives Denken, bei dem das Schwergewicht auf die begrifflichen Bewusstseinsebenen verlagert wurde. 

Die Gedanken sollen nicht ausradiert oder bekämpft werden, sondern nur durch passive Konzentration zur Ruhe gebracht und somit als leer und substanzlos durchschaut werden. Damit zugleich tritt geistige Sammlung ein, die wiederum zugleich hellwach sein lässt und den Menschen befähigt, sich selbst und die Dinge zu durchschauen. Dieser Prozess bewirkt eine Zunahme von großer Kraft. Hierdurch wird der Übende von großer Freude erfüllt, die – bitte beachten! –  nichts mit lediglich einer Ekstase zu tun hat. Das Erreichen der optimalen geistigen Sammlung (Pali: appanā-samādhi) ist die natürliche Voraussetzung für eine Erleuchtungserfahrung (Kenshō, Satori), die sodann im Laufe von Jahren ausreifen und damit in die Gesamtpersönlichkeit des betreffenden Menschen integriert werden muss. Erst dann wird ein solcher Mensch gemäß der klassisch überlieferten Lehre als erleuchtet bezeichnet beziehungsweise akzeptiert. 

Abschließend sei hier nun noch gesagt, dass dieses hinreißende Buch, "Das torlose Tor – Teishō über die 48 Kōan des Mumonkan" von Sabine Hübner (einer deutschen und somit auch unmissverständlich deutschsprachigen authentischen Zen-Meisterin, die zugleich psychotherapeutisch ausgebildet und in eigener psychotherapeutischer Praxis tätig ist), allen Menschen, die ernsthaft an sich arbeiten möchten, wärmstens empfohlen werden kann. Dieses Buch erfüllt alle Kriterien eines Zen-Klassikers.  

Vijâya Fey
L
ehrer für Buddhistische Philosophie 
und Buddhistische Psychologie

19.02.2003

°

Bemerkung zu "DAS TORLOSE TOR" von Willigis Jäger

"Die Kommentare von Sabine Hübner zum Mumonkan, einem der wohl wichtigsten Zen-Bücher aller Zeiten, können vielen zum Wegbegleiter werden. 

Sabine Hübner habe ich lange auf dem Zen-Weg begleitet. Vor einigen Jahren bat ich sie, selber andere zu führen. Das Buch zeigt ihre Kompetenz und Erfahrung.

Denn trotz Ōbakus Worten, dass es keine Zen-Meister gibt, besteht auch für ihn kein Zweifel, dass man den Zen-Weg nur unter einem Lehrer oder einer Lehrerin gehen kann. Sie sind wie Bergführer, die den Weg kennen und den Berg schon bestiegen haben. Sie kennen die Gefahren und Tücken und die gefährlichen Stellen, an denen man leicht abstützen kann. Es ist gut, in solchen Stunden eine Begleitung zu haben." 

Willigis Jäger Kyoun-Ken

2002

°

Einige Sätze aus "DAS TORLOSE TOR" zum Kosten: 

 Es gibt kein zweites Wort, 
und es gibt kein erstes Wort. 
Es gibt auch kein letztes Wort. 
Es gibt überhaupt  kein Wort.
Dieses EINE WORT, das immer nur das EINZIGE ist, 
ist überhaupt kein Wort. 
Es ist das Nicht-Wort, das je gesprochen wurde. 
Wer von euch kennt das ALLERLETZTE WORT?
Wer kann es sagen?
Wer flüstert es mir ins Ohr?
Geht in das innere Land und lauscht dem WORT, 
dem UNENDLICHEN WORT, 
dem EWIGEN WORT . . .