Über die Zen-Schule

Die Zen-Schule des Westlichen Himmels wurde auf Willigis Jägers Ermutigung und im Einvernehmen mit ihm im RMhatsu-Sesshin 1999 durch Sabine Hübner und Vijâya Fey im damaligen Nürnberg-Zendō gegründet. 

Willigis Jäger, Sabine Hübners Lehrer und ausbildender Zen-Meister, bis 2008/2009 Zen-Meister der Sanbo Kyodan – Schule, Kamakura, Japan (dort einer Körperschaft des öffentlichen Rechts), gründete 2009 ebenfalls (wie auch zuvor wir) eine neue westliche Zen-Richtung, "Leere Wolke", auch genannt "Zen des 21. Jahrhunderts", innerhalb welcher er seit dieser Gründung seine eigene Linie fortsetzt. 

Durch die Gründung der Zen-Schule des Westlichen Himmels 1999 setzt Sabine Hübner ihre eigenständige Linie fort. 

Bis zur Gründung der neuen und westlichen Zen-Richtung von Willigis Jäger stand Sabine Hübner außerdem noch in Willigis Jägers Linie und lief damit elf Jahre lang – in sehr gutem gegenseitigen Einvernehmen und Vertrauen – in zwei Richtungen parallel weiter. 

Aus "zen-juristischen" Gründen setzt Sabine Hübner – ebenfalls im Einvernehmen und nach Absprache mit Willigis Jäger und Auftrag durch ihn – ihre eigene Linie ab dem 7. Januar 2010 weiterhin und ausschließlich in der Zen-Schule des Westlichen Himmels fort. Hierzu bestätigt Willigis Jäger sie und fordert sie ausdrücklich auf, ihre eigene Linie weiterzuführen und die Zen-Schule des Westlichen Himmels auszubreiten. 

Hieraus ist zu ersehen, dass die Zen-Schule des Westlichen Himmels unabhängig von jeder anderen Zen-Schule und nur ihren eigenen Statuten verpflichtet ist, welche auch den uralten Traditionen der klassischen Zen-Schulen entspricht. 

In dieser Schule wird also – entsprechend ihren Statuten – authentisches Zen nach Form und Tradition der alten klassischen Zen-Schulen gelehrt.  

Die Zen-Schule des Westlichen Himmels hat sich entwickelt aus den Linien von Rinzai, Sōtō und Sanbō Kydan, und die heute noch bestehende Linie, auf der sie steht, führt sich zurück über viele Generationen von Zen-Meistern, zum Beispiel berühmte Geistesriesen wie Daiun Sōgaku Harada (sowohl japanischer Sōtō-, als auch Rinzai-Meister, der die beiden Linien in seiner Person zusammenführte und unter Yasutani-Rōshi als Sanbō-Kōydan-Schule weiterleitete, in Japan mit dem juristischen Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts (KdÖR)), weiter zurück über Nan-yüan (Nansen), Lin-ji (Rinzai), Huang-po (Lbaku), Pai-chang (Hyakujō), Ma-tsu (Baso Dōitsu), Hui-neng (E'nō), Bodhidharma, Nagarjuna und schließlich auf Zakyamuni Buddha. 

Zakyamuni lehrte keinerlei Religion oder Konfession – eher warnte er vor dem Lehren von Religionen – sondern einen Weg des Menschen zur Erfahrung der Wesensnatur, also der eigenen Wahren Natur, der Natur des Universums und des Lebens aus dieser Erfahrung heraus. Auf diese Weise entwickeln sich Menschen zu einer voll integrierten und integren Persönlichkeit. Durch den sich ausbreitenden inneren Frieden entsteht auch in der sogenannten Außenwelt Frieden und – da dieser Frieden schließlich seine Kreise über die ganze Erde zieht – Frieden in der Menschheit. 

Die Zen-Schule des Westlichen Himmels lehrt – das geht aus dem Gesagten hervor – keine asiatische Kultur oder Religion, sondern mit Hilfe der schlichten Form der Zen-Übung die innere   spirituelle   Geistesschulung eines jeden Zen-Schülers, unabhängig davon, was   dieser Schüler von Stand, Konfession, Geschlecht, Alter oder Nationalität und Hautfarbe ist. Hierin beziehen wir uns auf einige Zen-Meister der Sanbō Kyōdan – Schule, aber auch anderer Schulen, die eben dieses gelehrt haben. Auf dieser Seite unten sind drei ihrer Texte zu dem hier beschriebenen Thema gebracht. Wir sind sehr dankbar, dass – abgesehen von Willigis Jäger, der Deutscher ist – bezeichnenderweise gerade sie als Japaner und Buddhisten immer wieder diese der Menschheit gegenüber verantwortungsbewusste und menschenfreundliche Haltung gezeigt und gelehrt haben, und sie waren nicht die Einzigen. Diese unsere Schule lehrt ebenso wie sie und laut ihren Schulstatuten keine Konfession, auch kein buddhistisch-religiöses Zen, sondern nur den reinen Zen-Weg, der nach innen führt. 

Wir sind ihrem Ideal verpflichtet und gehen mit ihm konform. Die strengen, schriftlich festgelegten Statuten der Zen-Schule des Westlichen Himmels, der ersten nicht-asiatischen und nicht-japanischen Zen-Meistern unterstellten, dennoch traditionellen und authentischen Zen-Schule, befinden sich in voller Übereinstimmung mit den Normen, Wertstellungen und Idealen der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. 

Durch das Deutsche Patent- und Markenamt wurde die Zen-Schule des Westlichen Himmels mitsamt dem Namen, dem dazugehörigen Logo u.a. für die Druckerzeugnisse, die Schulungsmethoden und die diversen Dienstleistungen der Zen-Schule (Registernr.: 30529503.9) patent- und markenrechtlich anerkannt.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Zen-Gruppen und Zendōs der Zen-Schule des Westlichen Himmels, die ein authentisches und tüchtiges Zazen unter kompetenter Führung praktizieren. 

Der Verein für buddhistische Schulungswege erhält und fördert nicht die Zen-Schule des Westlichen Himmels, sondern deren Haupt-Zendō, das durch Sabine Hübner geführt wird. 

  

Zen ist keine Religion: Texte von Zen-Meistern

Yamada Rōshi: 

Yamada Kōun Rōshi, der frühere Leiter der weltweiten Sanbō Kyōdan – Schule, Kamakura, Zen-Meister von Willigis Jäger Kyo-un Rōshi und damit Großvater-Rōshi von Sabine Hübner, schrieb Folgendes: 

Ich werde oft von Christen gefragt, besonders von Katholiken, ob sie Zen praktizieren und dennoch ihren christlichen Glauben bewahren können. Auf diese Frage antworte ich gewöhnlich, dass Zen keine Religion ist im gleichen Sinn, in dem Christentum eine Religion ist. Deshalb gibt es keinen Grund, warum Christentum und Zazen nicht koexistieren können. Das äußere Kleid ist von verschiedener Form und Farbe, aber was darunter ist, das Herz, bleibt das gleiche. Und dieses Herz, diese Erfahrung, ist nicht geschmückt mit irgendwelchen Gedanken oder Philosophien. Sie ist ein reines Faktum, ein erfahrenes Faktum, gleicherweise wie das Schmecken des Tees ein Faktum ist. Eine Tasse Tee hat keinen Gedanken, keine Ideen, keine Philosophie. Sie schmeckt für Buddhisten und für Christen gleich. Da gib es nicht den geringsten Unterschied."

Unsere Anfügung hierzu: Daher lehrte Yamada Rōshi das reine nicht- konfessionelle Zen, wie auch wir es praktizieren, ein Zen, das nicht als "religiös- buddhistisches Zen" oder als "christliches Zen" bezeichnet werden kann, sondern nur Zen, das, entsprechend der Lehre des Zakyamuni Buddha, des Bodhidharma und des 6. Patriarchen, Hui-neng, keinerlei konfessionell-religiöse Prägung aufweist und auf der Erfahrung der Wesensnatur beruht. Der Zen praktizierende Mensch mag von Religion sein, was immer er ist, dieses hat keinerlei Bedeutung für seine Zen-Erfahrung, die durch Religion im Sinn von Konfession unberührt bleibt und alles Konfessionelle übersteigt. 

Bei der Gelegenheit sei noch gesagt, dass erfahrungsgemäß gerade Christen die große Fähigkeit von Haus aus mitbringen, die Vier Göttlichen Verweilzustände (brahma-vihara) zu verwirklichen, was doch vom Buddha als Voraussetzung für Erleuchtung und Zeichen für Erleuchtung gelehrt wurde

>> Shibayama Rōshi:  (einer der letzten ganz großen japanischen Zen-Meister)

"Man muss Zen unabhängig von der Zen-Schule des Buddhismus verstehen. Zen gehört weder einschließlich noch ausschließlich zu der buddhistischen Zen-Schule. Ich halte Zen für die universelle Wahrheit, die wahres Wissen und Frieden in das Leben der Menschen in der Welt bringt. Jede Religion und Kultur sollte Nutzen ziehen aus dem, was Zen an geistigem Wert anzubieten vermag." (Shibayama S. 70)

Willigis Jäger fügt hinzu: "Aus diesem Zitat spricht echte Zen-Freiheit, die ich manchem Polemiker wünschen würde."

Unsere Anfügung hierzu: 
Es geht also um das Wesentliche und nicht um die verbrämenden Gewänder, welche das Wesentliche verschleiern. 

Willigis Jäger Rōshi:

". . . Esoterisch (als Innenlehre) gesehen ist Zen keiner Religion zuzuordnen, es ist die Realisation der non-dualen Wirklichkeit, wie sie großen Heiligen, Weisen und 'Religionsstiftern' aller Zeiten und Zonen widerfuhr. Zen ist wohl der steilste Weg zum Erwachen, obwohl es (die unmittelbare Erfahrung) nicht als Weg bezeichnet werden kann. Es gleicht vielmehr einem Einbrechen in den immer präsenten und nie verlorenen Ausgangspunkt alles Seienden. Somit ist es in seinem Ursprung transkonfessionell und älter als alle bestehenden Religionen. Alle bestehenden großen Religionen haben es unter verschiedenen Namen auf die eine oder andere Art integriert. 

Man kann Zen auch exoterisch betrachten. Aber dann ist es eine Weisheits-Schule des Mah ayana-Buddhismus, die sich in China aus der Begegnung der Lehre des Inders Bodhidharma und dem Taoismus entwickelte. In dieser Hinsicht gehört Zen zu einer Religion, die durch Lehren und Praktiken zur Selbstwesensschau führen soll. Zakyamuni jedoch wollte keine Religion gründen; im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Zen ist seinem Wesen nach transkonfessionell. Daher gibt es keine Lehre über Zen, auch keine buddhistische. Es ist "eine Überlieferung außerhalb der Schriften". . . Nur das nackte Zen hat im Westen eine Chance. Der Buddhismus dürfte als Religion im Westen kaum an Boden gewinnen, wohl aber Zen. Aber Zen wird sich inkulturieren müssen. . . Bis jetzt haftet dem Zen im Westen zu sehr der Geruch von 'Konvertiten' an. . . Der Hang zu äußeren Formen ist eine Anfängerkrankheit. Das nackte Zen aber ist ein unwandelbarer Strom, der im Westen seine äußere Struktur verändern wird, wie es sich in China verändert hat, als es dem Taoismus begegnete. Sein Wesen wird sich nicht verfälschen lassen. 'Der Dharma braucht keine Verteidiger', lautet ein Zen-Wort . . ."

Unsere Anfügung: 
Hierzu noch ein Wort zum Unterschied zwischen dem klassischen, reinen Buddhismus als Geistesschulung zur spirituellen Entwicklung und Erleuchtung – und im Gegensatz dazu dem religiösen Buddhismus, der durchaus nicht den Anspruch hat, seine Anhänger zur Erleuchtung zu führen, sondern in einer Art religiösem Gemeindeleben mit den Menschen in Form priesterlicher Tätigkeiten im jeweiligen Tempel Riten und Zeremonien abzuhalten, auch solche entsprechend der japanischen volkstümlichen Bräuche (oder dem anderer buddhistischer Länder, in denen Zen inkulturiert wurde). Das reine Zen, von dem die drei obigen Zen-Meister-Texte sprechen, ist eine Richtung aus dem nicht-konfessionellen, reinen Buddhismus, und zwar dem Bereich Zen. 

Übrigens gibt es natürlich auch Mischformen zwischen den beiden Richtungen eines religiös-konfessionellen Zen und einer ausschließlichen Geistesschulung. 

Die Zen-Schule des Westlichen Himmels lehrt den reinen Zen-Weg zur Erfahrung und Integration der Erleuchtung. 

Zen ist nicht nur die ausgereifte Erleuchtungserfahrung, also Ausreifung der Wesensschau und des täglichen Lebens aus ihr heraus, sondern auch der Weg dahin. Es ist die ständige Übung der inneren Präsenz, aus der sich in der Konsequenz ergibt, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie sind, und nicht anders. Diese Wahrnehmung ohne jegliche Täuschung ist im Eigentlichen ein Seinszustand, den endgültig zu erreichen viele Jahre dauert. Ein kleines Satori genügt da nicht. 

Im Deutschen bedeutet das lateinische Wort "Religion" – "Rückbindung", nämlich Rückbindung des Menschen an seinen ewigen (außerhalb aller Zeit bestehenden) Ursprung. Dieses ist keine Glaubenssache, sondern die Erfahrung und derenAusreifung, dass der Mensch zu Hause in seinem Ursprung angekommen ist. Insofern wäre auch Zen "Religion-an-sich", wenn auch nicht im Sinn einer Konfession, eines Bekenntnisses. Dem entsprechend hat sich auch einmal Yamada Rōshi geäußert, als er vor vielen Jahren das Zendō von Willigis Jäger in Würzburg eingeweiht hat. Für ihn war es demnach die eigentliche – konfessionslose – Religion, die das Heil des ganzen Menschen zu erreichen wünscht. Hierfür ist kein religiöses Bekenntnis notwendig, aber auch nicht zwangsläufig hinderlich.


Maitreya